Tiefbau

Mai 2025: Was sagt das Bodengutachten, wie steil darfst du schachten? Wozu ein Schnurgerüst?

Das Schnurgerüst hatte ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt. Vermesser machen es nicht gerne, weil es je nach Boden schweißtreibend sein kann, die Holzpflöcke in die Erde zu treiben. Aber ohne geht es nicht.

Das Schnurgerüst basiert auf dem zuvor erstellten Lageplan und dient der Feinabsteckung und Positionierung der Außenkanten des Gebäudes. Es ist ein wichtiges Hilfsmittel, um sicherzustellen, dass das Gebäude korrekt positioniert ist und die geplanten Maße und Abstände eingehalten werden. Sonst passt am Ende das Haus nicht auf den Keller oder die Gemeinde schüttelt mit dem Kopf, weil du die 3 Meter Abstand zum Nachbargrundstück nicht eingehalten hast.

Um die spätere Bodenplatte drum herum muss ausreichend Arbeitsraum für die Kellerbauer bleiben, bevor die Böschung beginnt. Je nach Bodenart (z.B. Sand, Lehm, Fels) kann unterschiedlich steil geschachtet werden, um eine ausreichende Stabilität zu gewährleisten.

Muss zu steil geschachtet werden, weil oben die Grundstücksgrenze naht, droht ein teurer „Berliner Verbau“. Stahlträger werden in den Boden gerammt, gerüttelt oder gebohrt. Zwischen die Träger werden Bohlen, oft aus Holz, aber auch aus Beton oder Stahlplatten, eingebracht, um das Erdreich an den Baugrubenwänden zu stützen. Da rutscht nichts mehr, aber es ist auch „verbranntes Geld“ im 5stelligen Bereich. Wir hofften, dass wir um einen Verbau drum herum kämen und es war auch so. Das Bodengutachten hat uns gerettet.

Das Bodengutachten ist entscheidend für die Wahl des Kellers, die Dämmung und Dichtung, ob eine Drainage oder was auch immer nötig ist, um das Wasser fern und die Wände trocken zu halten.

Wir haben Lehm-Löß Boden, dass heißt, das Wasser versickert schlecht, bildet unterirdisch „Pfützen“, aber du darfst vielleicht steiler schachten. Es liegt im Ermessen des Tiefbauers und des Kellerbauers, die die Arbeiter nicht unter Tonnen von Erde verschüttet sehen wollen wie unter einer Schneelawine. Beide haben die Berufsgenossenschaft im Nacken und beide orientieren sich am Bodengutachten. Denn es ist logisch: Sitzt du in einem Sandkasten wird die Böschung deutlich flacher ausfallen als in festem Boden.

Ist der Keller gebaut, kommt der Tiefbauer zum zweiten Mal. Wir haben zwei super Jungs vom Bauleiter von Glatthaar vermittelt bekommen, Alex & Erik Morez. Du erreichst sie immer direkt im Bagger auf der Baustelle. Völlig unkompliziert und zuverlässig wird die Arbeit erledigt, die vereinbart war. Das hört sich so selbstverständlich an, ist aber etwas ganz besonders seltenes, wie wir gerade in unserer Anfangszeit beim Bauen gelernt haben: https://morez-bauservice.de

Der Tiefbauer legt rund um den Keller die Entwässerungsrohre in einer Mindesttiefe von 80 cm, um Frostschäden zu vermeiden. Er hat auch unsere Regenwasserzisterne angeschlossen.

Dann schüttet er den Keller zu. Überall dort, wo aus dem Haus später ein Fallrohr in die Erde führen wird, recken sich die leeren Gegenstück-Rohre in die Luft.

Für die Hausanschlüsse von Wasser, Strom und Glasfaser haben sie uns noch Leerrohre gelegt, die wie ein Sträußchen im Vorgarten aus der Erde ragten. Sehr praktisch, wenn die Versorger kommen.

Leider war der Kanalanschluss unauffindbar. Kleine Roboter mit Kameras flitzen unaufhörlich durch die Kanäle, bei uns war sogar vor zwei Jahren erst einer vorbeigekommen. Sie zeichnen Bilder der Rohre auf, aber leider keine genauen Positionsdaten. Der Erftverband hat schließlich selbst im öffentlichen Bereich nach dem Stutzen gesucht. Das darfst du nämlich nicht. Du musst auf deiner Seite des Bürgersteigs auf deinem privaten Grundstück bleiben.

Im öffentlichen Bereich dürfen nur ganz bestimmte Subunternehmer, die dir von der Stadt oder dem Netzbetreiber oder den Wasserwerken vermittelt werden, die Straße aufreißen und Löcher graben. Ich könnte jetzt wieder von unserem Abrissunternehmer anfangen, aber ich lasse es…